Vereins - Chronik

Der soziale Aufbruch Ende des vorigen Jahrhunderts brachte viele Zusammenschlüsse von Behinderten zu Selbsthilfeorganisationen.

Begünstige durch die Gehörlosenschule neben der Barfüßerkirche fanden sich am 22.10.1899 Gehörlose aus Pforzheim und dem damaligen Landkreis zur Gründung des Taubstummenclubs Badenia zusammen. Es war die dritte Gründung eines Taubstummenclubs in Baden, nach Mannheim und Freiburg.

 

Namentlich bekannt sind die Gründungsmitglieder Schöntaler aus Pforzheim und Lindenmann aus Niefern.

Die Taubstummen, so nannte man damals die Gehörlosen, wollten sich in geselliger Weise treffen, weil sie bei Hörenden keinen Anschluß fanden. Ihre Monatstreffen hielten sie im Gasthaus „Zur Blume“ am Schloßberg ab.

 

Sie waren damals in der Schmuckindustrie als Goldschmied, Fasser, Graveur und Polisseuse beschäftigt und waren wegen ihrer genauen, sauberen Arbeit besonders beliebt. Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden und Unternehmen machten es notwendig, dass Hörende als Mittler tatkräftig sich ihrer Sache annahmen. Ein Hauptlehrer aus Durlach – namentlich nicht bekannt – und bis zum Jahr 1924 ein Studienrat Rapp von der Goldschmiedeschule waren der weltliche und auch der kirchliche Mittelpunkt.

 

Wegen der kleinen Schicksalsgemeinschaft besuchten Katholiken, Evangelische und Juden gemeinsam den Gottesdienst. Eine ökumenische Tradition, die sich bis heute bewährt hat. Max Härdtner, nach 1950 Präsident des Deutschen Gehörlosenbundes, war von 1907 – 1909 Vorstand des Clubs. Kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde die Gehörlosenschule in Pforzheim aufgelöst und nach Karlsruhe verlagert.

 

Von 1924 bis 1932 übernahm der Taubstummenlehrer Georg Ries von der ehemaligen Pforzheimer Gehörlosenschule die Betreuung der Gehörlosen. Bekannte Namen des damaligen Vorstandes sind Arnold Schroth und Hermann Goldbaum. Unter der Führung von Arnold Schroth gründete der junge Erich Heck nach Beginn des 2. Weltkrieges im Jahre 1941 einen Kegelclub. Das Wettkampfslokal war damals „Stadt Bretten“. Als Aktive machten sich Jakob Vosseler und Rheinhardt Schöttle einen Namen.

 

Nach dem Tod von Arnold Schroth übernahm Herr Kleß den Vorsitz zusammen mit Emilie Schröder. Der schwere Bombenangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 zerstörte unsere Heimatstadt. Unter den mehr als 17.000 Toten waren 9 Gehörlose, unter Ihnen der Vorstand. Der Verein kam zum Erliegen.

 

Die Akten des Vereines waren verbrannt und vieles aus der damaligen Zeit ist nur in der Erinnerung der Überlebenden lebendig geblieben.

 

Erst 1949 lebte der Verein durch die Initiative von Herrn Ries wieder auf.

Vorstand waren Reinhard Schöttle und Erich Heck. Besonders Reinhard Schöttle zeichnete sich durch unermüdliche Aufbauarbeit für den Verein aus. In der völlig zerstörten Stadt brachte er mehr als 30 Gehörlose zusammen, weit mehr als in den großen Nachbarstädten Karlsruhe und Stuttgart.

In diese Zeit fällt der Umzug von Max Härdtner nach Frankfurt, wo er aktiv für die Belange aller Gehörlosen in Deutschland eintrat.

 

Eine bemerkenswert weitsichtige Leistung war 1950 die Gründung als eingetragener Verein. Erich Heck gilt damit als Vorreiter der Gehörlosenbewegung.

 

Der Gehörlosenverein fand rasch mit zugezogenen Heimatvertriebenen zu einem regen Vereinsleben. Reinhard Schöttle übergab 1955 die Leitung an Georg Erdle, der auch den Gehörlosenverein Calw leitete, um einer Auflösung zuvorzukommen. Nach kurzer Zeit erklärte sich Otto Schiefelbein, ein Heimatvertriebener, bereit, den Verein weiterzuführen.

 

Der Verein stabilisierte sich wieder durch die aufopfernde Hilfe von Pfarrer Konrad Barner aus Niefern. Ab 1957 waren Erich Heck und Emilie Schröder der Vorstand. Sie wurden stark von der hörenden Hilde Paggel und ihrem gehörlosen Gatten Karl unterstützt.

 

Pfarrer Barner war es auch, der Anfang der 60er Jahre sich um die Integration gehörloser Gastarbeiter bemühte. Er leitet die Neuorientierung im Vorstand mit Siegfried Nötzel und Walter Buckel ein. Von 1960 bis 1987 leitete Siegfried Nötzel die Geschicke des Vereines.

Karl und Hilde Paggel waren bis 1981 seine treuen Helfer. Walter Buckel, der 1986 starb, war bis zu seinem Tode der Stellvertreter von Siegfried Nötzel. In diese lange Zeit eines stabilen Vorstandes fielen große Probleme. Die Gründung eines überregionalen Gehörlosen-Zentrums in Karlsruhe, die Abwanderung der Jugendlichen in dieses hervorragende Sportzentrum und die Krankheit der großen Stütze Hilde Paggel.

 

1981 tritt Franz Boob als mitarbeitendes aktives Mitglied in den Verein ein.

Familie Paggel unterstützt den Verein wieder einmal mit Information. Zusammen mit dem Vorstand und Franz Boob werden neue Ideen entwickelt um dem Verein ein Zuhause zu geben. 1984 beantragte er ein eigenes Gehörlosenzentrum.

 

Die bis zum Jahr 1984 bestehende Trennung zwischen Kegelclub und Gehörlosenverein wurde organisatorisch aufgehoben und seitdem gibt es wieder Versammlungen mit steigender Mitgliederzahl.

 

Endlich, im Oktober 1986 bekommen wir die Zusage des Enzkreises und der Stadt zusammen mit der AMSEL-Kontaktgruppe ein eigenes Zentrum einzurichten. Ein neuer Seelsorger, Pfarrer Hermann Reinle, steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Der Verlust von Walter Buckel wird durch die neue Stellvertreterin Barbara Czora gemildert. Aus einem Fabriksaal entsteht unter der Leitung von Franz Boob, Berthold Huthmacher und Frank Holder in drei Monaten ein wohnliches Zentrum.

 

Dank sagen wir einer sehr engagierten Frau Hella Marquardt, die entscheidend dazu beigetragen hat, dass Gehörlose aus dem Enzkreis und Pforzheim eine Heimat besitzen.

 

Im Gründungsjahr des Zentrums wechselte der Vorstand. Berthold Huthmacher, Frank Holder, Barbara Czora, verheiratete Holder und Franz Boob übnernahmen die Führung des Vereines.

 

1987 erreichte die gute Kegelmannschaft den 3. Platz bei den deutschen Kegelmeisterschaften. 1988 wurde der GSV Pforzheim dann sogar Deutscher Meister. Es wurde eine Wandergruppe unter der Leitung von Hermann Herdecker eingerichtet, und zwischenzeitlich gab es eine Frauen-Gymnastikgruppe mit Hasreta Malezic.

 

Seit 1988 gibt er regelmäßig eine Broschüre mit den aktuellen Informationen. Maßgeblich beteiligt waren Siegbert Lamprecht, Frank Holder, Daria Lachan und Britta Maier.

 

Seit 1990 gibt es eine Seniorengruppe. Unter der Leitung von Maria Huthmacher treffen sich die 12 bis 14 gehörlosen Senioren jeden 4. Donnerstag im Monat. Ebenfalls 1990 wurde die Jugendgruppe von Vlado Cindric und Volker Weber gegründet.

 

1993 veranstaltet der Stadtjugendring ein Marktplatzfest, wo auch die Jugendgruppe des Gehörlosenvereins teilnahm. Im Jahr 1994 fand die erste Disco statt. Seit diesem Zeitpunkt sind Harald Zitterbart und Bernd Huterer die Säulen der Jugendarbeit des Vereins. Vom 25. bis zum 30. Oktober 1997 fuhr die Jugendgruppe nach Vicenza um sich dort mit den italenischen Gehörlosen zu treffen. Der Gegenbesuch der Italiener erfolgte im darauffolgenden Jahr. Diese beiden Treffen sind die bisherigen Höhepunkte der Jugendarbeit im Gehörlosenverein.

 

Am 08. Februar 1998 wurde der langjährige Gehörlosenseelsorger Pfarrer Reinle in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolgerin ist Frau Heiden.

 

Am 02. Mai 1998 ging der Verein mit der Gehörlosenproblematik an die Öffentlichkeit. Es wurde in der Innenstadt an einem Stand mit den Passanten diskutiert und die Passanten wurden über unser Vereinsleben aufgeklärt.

 

Seit August 1998 befindet sich die Hörgeschädigtenzeitung in der Hand von René Hölle und Bernd Huterer. In Pforzheim geben alle Hörgeschädigtenvereine zusammen eine Informationsbroschüre für ihre Mitglieder heraus. Seit Oktober 1998 ist der Gehörlosenverein im Internet vertreten.

 

Es gibt in unserem Verein auch eine Mutter- und Kind-Gruppe. Sie trifft sich regelmäßig im HGZ, machen gemeinsame Ausflüge oder Basteln gemeinsam. Anja Le Minh ist die Leiterin der Mutter- und Kind-Gruppe.

 

Seit Jahren schon führt der Gehörlosenverein ein Hoffest und/oder ein Bootshausfest durch. Die Veranstaltungen werden von den Mitgliedern und den Freunden aus der näheren Umgebung gerne besucht.

 

Am 06. Juli 2002 haben wir im Bootshaus in Birkenfeld bei Pforzheim unser 5 jähriges Bestehen „Mutter & Kind“ gefeiert.

 

Viele Jahre hatten wir unser altes Zentrum in der Luitgardstr. 14-16. Plötzlich wurde die Miete (wegen Aufzug) erhöht, aber das konnten wir uns nicht leisten.

Wir mußten uns was Neues suchen und haben in der Hohenstaufenstr.15 ein neues Zentrum gefunden.

 

Im Juli 2005 sind wir umgezogen ins neue Zentrum und am 08. April 2006 haben wir Einweihung gefeiert.

Es ist ein schöner Raum mit großem Schaufenster, wir sind im Erdgeschoß und es ist auch besser für unsere älteren Mitglieder.

Es ist ein sehr gemütliches Zentrum.

 

Wir blicken voller Stolz in die Zukunft !